Inflation & Geldpolitik

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Inflation & Geldpolitik.

Auf dem Papier ist der Job der Notenbanken, die Inflation stabil zu halten, einfach. In der Realität machen Preisschocks, Erwartungen und die Politik ihn schwer.

Die Theorie: ein einfacher Job

Notenbanken haben ein klares Ziel und ein klares Instrument: Das Inflationsziel liegt bei 2 % im Jahresvergleich, das Instrument ist der Zins. Will man die Wirtschaft abbremsen, erhöht man den Zins. Dann lohnt sich Sparen mehr, und Kredite werden teurer und weniger nachgefragt. Die Nachfrage sinkt, und die Preise steigen weniger stark. Will man die Wirtschaft anschieben, senkt man den Zins. Dann werden Kredite günstiger, und Investieren und Konsumieren werden attraktiver als Sparen. Die Nachfrage steigt, und bei gleichbleibendem Angebot steigen die Preise etwas schneller. Dabei bleiben die Notenbanken völlig unabhängig von der Politik und kündigen ihre Schritte wenn möglich weit im Voraus an, damit niemand von den Entscheidungen überrascht wird. Soweit zur Einführung in die Makroökonomie.

Die Realität: Schocks und Erwartungen

In der Realität sieht das anders aus. In einem VWL-Modell „bleibt alles andere gleich“ (Ceteris Paribus). Im echten Leben gibt es dagegen Schocks von außen, zum Beispiel einen Ölpreisschock, Kriegsausbrüche oder geopolitische Entscheidungen. Steigen die Preise dadurch, hat die Notenbank eigentlich keinen direkten Einfluss darauf: Die Preise steigen nicht, weil die Nachfrage zu hoch ist, sondern weil das Angebot knapper oder teurer wird. Reagiert die Notenbank trotzdem, ist das eher ein psychologisches Signal an die Märkte: „Wir können hier noch etwas machen und die Wirtschaft abbremsen.“ Der Inflation hilft das kurzfristig nicht wirklich. Es zeigt aber, dass die Notenbank nicht einfach mit den Schultern zuckt, sondern das Inflationsziel mittelfristig im Blick behält. Glauben die Märkte das und behalten ihre Erwartungen an das Inflationsziel bei, ergibt sich oft ein selbsterfüllender Effekt.

Wenn die Politik mitredet

Dazu kommt der indirekte Einfluss der Politik. Denn nicht nur Privatpersonen und Unternehmen müssen einen höheren Zins zahlen, sondern auch ein verschuldeter Staat. Muss er seine Schulden irgendwann zu höheren Zinsen refinanzieren, steigen die Schulden weiter, ohne dass der Staat etwas davon hätte. Staaten sind deshalb an niedrigen Zinsen interessiert. Direkt helfen sollen die Notenbanken ihnen aber nicht, in einigen Regionen und Ländern ist die Staatsfinanzierung durch die Notenbank sogar verboten. Ins Spiel kommen sie, wenn sie die Wirtschaft weiter ankurbeln wollen, der Leitzins aber schon am unteren Ende liegt. Dann muss das Quantitative Easing herhalten: der Ankauf von Anleihen durch die Notenbank, zum Beispiel von Staats- und Unternehmensanleihen. Das drückt die Zinsen am Anleihemarkt und damit als Nebeneffekt auch die Zinsen, die der Staat zahlt. Dabei blähen sich die Bilanzen der Notenbanken auf. Davon wegzukommen ist gar nicht so einfach und braucht viele Jahre. Zwischen Theorie, Schocks und Politik einen kühlen Kopf zu bewahren, ist kein einfacher Job.

Kurz gefragt

Was ist Inflation, und wie wird sie gemessen?

Inflation bezeichnet ein steigendes Preisniveau. Es geht also um eine Veränderung. Wenn man sagt, dass die Inflation stabil ist, dann bedeutet das, dass die Preise mit einer gleichbleibenden Rate steigen, nicht dass die Preise selbst stabil sind.

Gemessen wird sie über einen Warenkorb, der typische Ausgaben eines Haushalts abbildet. Der Warenkorb wird zum Beispiel in Deutschland alle fünf Jahre angepasst, da sich auch unser Konsumverhalten ändert. Die Inflationsrate gibt an, um wie viel Prozent sich der Warenkorb im Vergleich zum Vorjahr verteuert hat.

Warum liegt das Inflationsziel bei 2 %?

Die 2 % sind in den USA und Europa eine geldpolitische Konvention und kein Naturgesetz, aber nicht zufällig gewählt. Ein Ziel oberhalb von null schafft einen Puffer gegen Deflation, also sinkende Preise. Dann warten die Wirtschaftsteilnehmenden mit dem Konsum ab, weil es bald noch günstiger wird, und investieren nicht, weil sich kaum Erträge erwarten lassen. Die Wirtschaft kommt zum Stillstand, was man unbedingt vermeiden will.

Ein bisschen Inflation hat auch andere Vorteile. Löhne lassen sich schwer senken, deshalb hilft eine leichte Inflation, dass sich Löhne und Preise anpassen können. Sie entlastet auch Kreditnehmer mit festem Zins, weil die Schuld real an Wert verliert, ebenso den Staat als Ausgeber von Staatsanleihen.

Wie senkt eine Zinserhöhung die Inflation?

Ein höherer Zins macht Kredite teurer und Sparen attraktiver. Unternehmen und Haushalte investieren und konsumieren weniger, die Nachfrage sinkt, und die Preise steigen schwächer. Diese Wirkung kommt nicht sofort: Es dauert oft mehrere Quartale, teils bis zu zwei Jahre, bis eine Zinserhöhung voll bei den Preisen ankommt.

Hinzu kommt die Inflationserwartung. Trauen die Wirtschaftsteilnehmenden der Notenbank zu, das Ziel zu erreichen, rechnen sie mittelfristig mit einer Inflation von 2 %. Dann passen sie Lohnforderungen, Preiskalkulationen oder Mietanpassungen entsprechend an und senken damit die Inflation ebenfalls.

Was können Notenbanken bei externen Preisschocks ausrichten, und was nicht?

Eine Notenbank steuert über den Zins die Nachfrage, nicht das Angebot. Wird zum Beispiel Öl knapper und damit teurer, ändert ein höherer Zins nichts am Ölangebot. Kurzfristig kann sie also wenig ausrichten. Trotzdem ist ihre Reaktion wichtig: Sie zeigt den Märkten, dass das Inflationsziel mittelfristig im Blick bleibt. Bleiben die Erwartungen stabil, schlägt der Preisschock weniger stark auf Löhne und Preise durch.

Wie unabhängig sind Notenbanken wirklich?

Formal sind Notenbanken unabhängig. Im Euroraum gilt zum Beispiel, dass Regierungen der EZB keine Anweisungen geben dürfen und die direkte Finanzierung von Staaten durch die Notenbank verboten ist. Aber sowohl in Europa als auch in den USA ernennt die Politik die Führung der Notenbanken und die Mitglieder ihrer Entscheidungsgremien. Zudem muss sich die Notenbank regelmäßig vor dem Parlament rechtfertigen und abwägen, ob zu hohe Zinsen verschuldete Staaten so stark belasten, dass es der Wirtschaft oder dem politischen Zusammenhalt schaden könnte.

Wichtig ist aber: Die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik ist hier höchstes Gut und wichtigstes Instrument. Wird sie durch politische Einflussnahme beschädigt, hat das weitreichende wirtschaftliche Folgen, weil Märkte dann höhere Inflation erwarten und die Zinsen für alle steigen.

Was ist Quantitative Easing, und was hat es mit Staatsschulden zu tun?

Quantitative Easing ist ein geldpolitisches Instrument für den Fall, dass der Leitzins sein Minimum erreicht hat (das kann auch negativ sein). Dabei kauft die Notenbank in großem Umfang Anleihen am Sekundärmarkt an, zum Beispiel Staats- und Unternehmensanleihen. Sie kauft sie von Banken und Investoren statt direkt vom Staat, sonst wäre es direkte staatliche Finanzierung. Durch die zusätzliche Nachfrage kann sie die Zinsen für diese Anleihen stabil halten oder senken. Das soll die Zinsen an allen Finanzmärkten drücken und so die Wirtschaft anschieben. Als Nebeneffekt zahlen Staaten weniger für ihre Schulden. Die Bilanzsummen der Notenbanken wachsen dadurch immer weiter. Sie wieder zu verkleinern dauert Jahre, weil die Notenbank die Liquidität nicht zu schnell verknappen darf, um Überreaktionen an den Märkten zu vermeiden.

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